Eggert Gustavs: Zwischen Hiddensee und Neuruppin
von Josep Fèlix Bentz, Präsident des Königlichen Kunstzirkels von Barcelona

Auf eine sehr persönliche und elegante Weise gelingt es Gustavs, Bilder und symbolische Darstellungen sowohl seines täglichen Lebens als auch seiner Gedankenwelt, der Frucht seiner geistigen Entwicklung, in sein motivisches Repertoire einzubeziehen. Bilder, in denen sich seine Erfahrung bzw. sein Ansatz offenbart, zwischen einer lichten und einer düster-intimen Welt, zwischen Bild und Inhalt, zwischen dem Existierenden und dem Fiktiven eine Trennung zu vollziehen und so den Betrachter zu mehr als der bloßen Wahrnehmung der harmonischen Aspekte zu verleiten und ihn zum Nachdenken anzuregen.

Hinsichtlich seiner Bildsprache lässt sich feststellen, wie eine besondere Fähigkeit hervortritt: die Darstellung von Porträts, Landschaften und auch „belebten“ Zeichnungen. Wie er selbst sagte, faszinierte ihn das „Gesicht der Landschaft“ und die „Landschaft des Gesichtes“. Ein weiteres wichtiges Merkmal, das ich für erwähnenswert halte, ist der Umstand, dass er sein visuelles Gedächtnis eingehenden Experimenten unterzog, wie es bereits Joan Miró während seiner Lehrzeit an der Akademie von Francesc Galí in Barcelona getan hatte, und es in detaillierter und präziser Weise weiter schärfte. Eine Zeichnung ist eine – oftmals sehr einfach gehaltene – Abbildung eines Themas allein mit Linien und Strichen. Anders die Malerei, die sich üblicherweise durch den Einsatz von Farbe und Tonwerte auszeichnet. Bei Eggert Gustavs sind die Zeichnungen meist monochrom und frei ausgeführt, wodurch sich überwiegend schlichte Arbeiten ergeben, bei denen die Kontur des Motivs im Vordergrund steht.

Dieser Prozess der Vereinfachung, der seine gesamte künstlerische Entwicklung durchzieht, ist bemerkenswert, da Eggert Gustavs zu Beginn, als er seine ersten Zeichnungen anfertigte, sehr detailliert und minuziös vorging. Diese ersten Skizzen bilden schließlich den Ausgangspunkt für seine späteren Arbeiten, die er immer weiter reduziert und vereinfacht, bis er zur größtmöglichen Präzision in der Ausführung gelangt. Zu Eggert Gustavs ließe sich eine Unzahl formaler und konzeptueller, ja metaphysischer Deutungen finden. Fakt ist, dass uns Gustavs eine Mischung aus Emotionen und Gefühlen zu vermitteln vermag, die eine reiche und vielfältige Formensprache bildet und damit eine Vielzahl von Lesarten zulässt. Sein Werk weist einen starken Bezug zu seinem Lebenskontext und seiner Persönlichkeit auf, die in klein- und mittelformatigen Werken von hoher Qualität und mit starker leidenschaftlicher Prägung ihren Ausdruck finden. Der Zeichenduktus und das Symbolhafte sind unverzichtbare und notwendige Bestandteile, die sich auf verführerische Weise in ähnlichen wie auch unterschiedlichen Variationen miteinander verbinden. Als Ergebnis all dieser Elemente entsteht ein schöpferisches Werk von hohem konzeptuellen Anspruch, das auf überflüssige narrative Elemente verzichtet und sich auf das strukturelle Denken konzentriert, wie es reiner, absoluter, ja kreativer und umfassender nicht vorstellbar ist.

Seine Kompositionen lassen letzten Endes einen ausgeglichenen Künstler erkennen, der mit direkten Bezügen zum Symbolismus arbeitet, die zum Wesenskern seines Werkes gehören, was im Ergebnis zu einem höchst inhaltsreichen, sensiblen und sehr persönlich gestalteten Schaffen führt. Stets bescheiden und ohne Dünkel verkörpert er nichts weiter als einen Mann, der malt und mit seinem Pinsel etwas Eigenes, Proportioniertes und Epistemisches ausdrückt. Aufgrund seines unruhigen Geistes hat sich Eggert Gustavs als Künstler erwiesen, der seiner Zeit voraus war und das Bedürfnis zeigte, seine eigenen technischen wie konzeptuellen Grundsätze immer wieder auf die Probe zu stellen. Darin liegt sicher sein Interesse an dem Unbekannten, dem Fremden, dem Unerforschten begründet, und daher rührt wohl seine beständige und vielfältige Ausführung in all den Techniken, die er so gut beherrscht.

Auf diese Weise tritt eine vorausahnende und instinktgeleitete Persönlichkeit hervor, ein energischer und ehrlicher Schöpfer, der sich ohne zu zaudern einer nahtlosen Sprache bedient, die das Redundante und Überflüssige, Definitive, Kategorische und zugleich das Lockere und Mystische hindurchscheinen lässt.

Eggert Gustavs, ein Meister poetischer Malerei und Graphik
von Prof. Dr. phil. Guido König, Saarbrücken

Eggert Gustavs ist ein bildnerischer Künstler, der sein malerisches Können und zeichnerisches Vermögen in einer ebenso klaren wie deutlichen Modernität zum Ausdruck bringt. […]
Die Poesie der Gustavs’schen Werke lässt sich am eindrucksvollsten an den Aquarellen nach dem Objektsbezug Land und See, Gebäude und Baum zeigen. Auf den ersten Blick wirken sie wie in traditioneller Bildgestaltung beruhigend. Bei näherer Betrachtung erscheinen sie beunruhigend. Der Zusammenklang beider Sphären lässt den Betrachter an einem Symbolerlebnisprozess teilnehmen, der einen faszinierenden Sog entwickelt. Das wahrnehmungssatte Erlebnis der Interaktion von Gegenstandsraum und Bildfläche führt zu einer ekstatischen Erfahrung. Das Entzücken des Außersichseins und des poetischen Zaubers scheinen lichtgeboren. Je nachdem, ob das Licht aus dieser oder jener Richtung einfällt, werden die Bildfelder mit ihren Dingen charakteristisch erhellt. Auf Grund behutsam gesetzter Hell-Dunkel-Kontraste werden die Bilder gespiegelt. Farbigkeit und Linienklarheit heben sich ins Licht, so dass von lyrischen “Lichtbildern” gesprochen werden kann. Erstaunlich wie nach Stil und Effekt das Hiddenseer und das Ruppiner Land ebenso einheitlich wie vielgestaltig in Lichtstimmungen erscheinen.
Das Problem der Objektivität des Gefühls, mit der ein Kunstwerk steht und fällt, ist in jedem der Bilder und Grafiken offensichtlich. Allgemeinverbindlichkeit und Gegenstandbezogenheit bleiben unverwechselbar verwoben. Dem Maler gelingt es, seinen Bildern eine schwebende Leichtigkeit zu verleihen. Dem Betrachter wird eine beglückende Erfahrung zuteil, die in eine Metamorphose führen kann. In aller Stille kommt es beim Rezipienten zu einer Veränderung, einer Verwandlung. Es ist der Prozess, den die Kunst (ebenso wie die Liebe) zu leisten vermag. […]